Historischer Rebensatz – Entwurf einer Richtlinie

Der „Historischer Rebensatz“ ist die Rheingauer Variante eines „Gemischten Satzes“, wie er seit vielen Jahrhunderten auch hier im Rheingau bekannt ist, in seiner Bezeichnung aber mittlerweile für Weine aus Österreich steht. Mit unserer Initiative möchten wir den Anbau historischer Rebsorten stärken und traditionelle Anbaumethoden reaktivieren. Dies sehen wir als Beitrag für eine höhere Biodiversität, aber auch als Instrument zur erleichterten Vermarktung durch interessierte Weingüter. Denn eine Besinnung auf Tradition muss sich auch wirtschaftlich rechnen, nur so wird der Verbraucher ein außergewöhnliches Produkt genießen können.

Seit 2016 treffen sich interessierte Weingüter und Vertreter der Rheingauer Institutionen, Verbände und Verantwortliche aus der Verwaltung, um unter Federführung unseres Vereins das Bild eines „Historischen Rebensatz“ zu formen. Der letzte Stand basiert auf einem Treffen im Februar 2018 im Probeck´schen Hof, bei dem ein durch Dr. Andreas Booß entwickelter Richtlinienentwurf vorgestellt worden ist.

Nachdem dieser Zustimmung gefunden hat, werden derzeit die organisatorischen Grundlagen für die nächsten Schritte gelegt, wie etwa die Anmeldung als Marke und die Verankerung der Richtlinien in einer verbindlichen Form.

 

Richtlinie (Entwurf) Historischer Rebensatz Rheingau in Kürze

  • Der „Historische Rebensatz“ kann aus Weiß- und Rotweinsorten bestehen.
  • Es müssen mindestens fünf Rebsorten angebaut werden, deren Anbau bevorzugt im Rheingau vor dem Jahre 1900 dokumentiert ist.
  • Die Rebsorten des „historischen Rheingauer Rebensatzes“ müssen auf einer Bewirtschaftungseinheit angebaut werden.
  • Der zeilenweise Anbau der Rebsorten ist erlaubt.
  • Die bepflanzten Parzellen müssen unter der Bezeichnung „Historischer Rebensatz“ in der amtlichen Weinbaukartei des Landes Hessen eingetragen sein.
  • Die Lese der Rebsorten, deren Kelterung und Ausbau erfolgen zusammen.
  • Beim Ausbau ist das traditionelle Holzfass zu bevorzugen.
  • Beim Wein des „Historischen Rheingauer Rebensatzes“ handelt es sich bevorzugt um trockenen Qualitätswein (QbA).
  • Der Wein darf frühestens ab dem 1. Juni des auf die Ernte folgenden Jahres in Verkehr gelangen.
  • Als geographische Angabe ist auf dem Etikett das Anbaugebiet sowie die Angabe der Gemeinde zulässig.

Zusammensetzung eines „Historischen Rebensatzes“

  • Der Anbau klassischer historischen Rebsorten darf max. 25 % der Anbaufläche des „historischen Rheingauer Rebensatzes“ betragen.
  • Der Wein des „historischen Rheingauer Rebensatzes“ muss mind. vier sonstige historische Rebsorten enthalten.

Klassische weiße historische Rebsorten

  • Grauer Burgunder
  • Weißer Burgunder
  • Weißer Riesling

Klassische rote historische Rebsorten

  • Blauer Spätburgunder

Sonstige historische weiße Rebsorten

Auxerrois, Weißer Burgunder, Roter Elbling, Weißer Elbling, Roter Gutedel, Weißer Gutedel, Weißer Heunisch, Früher Roter Malvasier, Gelber Muskateller, Gelber Orleans, Weißer Räuschling, Roter Räuschling, Weißer Riesling, Roter Riesling, Roter Muskateller, Roter Traminer/Gewürztraminer, Ruländer/Grauburgunder, Savignin Blanc/Weißer Traminer, Blauer Silvaner, Grüner Silvaner, Grüner Veltliner.

Sonstige historische rote Rebsorten

Blauer Affenthaler, Blauburger, Blauer Elbling, Färbertraube, Blauer Frühburgunder, Blauer Gelbhölzer, Hegel, Helfensteiner, Heroldrebe, Blauer Limberger, Müllerrebe, Muskat Trollinger, Neronet, Palas, Blauer Portugieser, Primitivo, Piroso, Reberger, Saint Laurent, Sulmer, Tauberschwarz, Blauer Trollinger

Liste der historischen Rebsorten im Rheingau
(nach Vorster 1765 (1), Bronner 1836 (2) und Heckler 1858 (3))

  • Riesling 1,2,3
  • Orleans 1,2,3
  • Elbling (Kleinberger) 1,2,3
  • Lamberttraube (Hammelschwarz) 1,3
  • Ruländer 1,3
  • Traminer 2,3
  • Silvaner (Oestreicher) 2,3
  • Veltliner (Feldliner) 2,3
  • Muskateller 1
  • Ortlieber 2
  • Gutedel 3
  • Räuschling (Reischling) 3
  • Heunisch

Da im Rheingau wahrscheinlich auch Rebsorten, die in der Literatur nicht belegt sind, angebaut wurden, können auch diese als historische Rebsorten angebaut werden. Vor dem Anbau hier nicht aufgeführter Rebsorten sollte mit der Weinbaukartei, Dezernat Weinbau des Regierungspräsidiums Darmstadt, Kontakt aufgenommen werden.

 

Dr. Andreas Booß, 2/2018